aus "Hohe Sommertage" von Gustav Falke
Es ist alles nicht auszusagen,
Und wenn ich dann an deiner Seite
Wunderseliges tief gespürt,
Und, wie auf seinem Teppichgebreite
Des Moslems Stirn die Erde berührt,
Vor dir anbetend die Seele geneigt,
Die sich so gern in Stolz versteigt,
Da ist mir so recht in Wonnen und Bangen
Das Wesen der Liebe aufgegangen.
So willenlos, keusch, himmelsrein
In eine Seele versunken sein,
Holdeste Zweieinigkeit
Ohne Sinnenwiderstreit.
Aber getrennt, ging ich umher
Eine einsame Seele, die keiner versteht.
Sie bangt um ihren Himmel sehr
Und weiß nicht, wo die Straße geht,
Schlägt in rastlosem Sehnsuchtsspiel
Tausend Brücken nach ihrem Ziel,
Über die mit zitternden Knien
All ihre weinenden Wünsche ziehn.
Ich bin dein,
O wärst du mein!
Hülfe mir Beten, hülfe mir Bitten--
Aber ich will mich des Hoffens entschlagen.
Es ist alles nicht auszusagen,
Was ich so lange um dich gelitten.